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Ausgabe: 10. September 2017

Gernot Gsellmann

All-Mählich unheimlich

Das erste Quartal ist „geschlagen“ – und die Erste-Liga steht kopf! Favorits (wie Ried) enttäuschten, zwei Underdogs überraschten. Und Tirols Vertreter schwanken von „nicht Fisch, nicht Fleisch“ bis besorgniserregend

Wer bitte rechnete mit Wiener Neustadt und Hartberg? Absolut niemand. Selbst dem Coach des Leaders aus Niederösterreich dürfte es „all-mählich“ unheimlich werden: Sieben Siege aus neun Runden – Roman Mählichs Truppe eilte im ersten Viertel der Konkurrenz davon! Und Aufsteiger Hartberg etabliert(e) sich – auch mit viel spielerischer Potenz – hartnäckig in der Spitzengruppe der Erste-Liga!

Allmählich unheimlich werden aber auch die Leistungen bzw. Vorstellungen der Tiroler Klubs. Nicht wirklich im Positiven.

Nicht genügend! Was die Wattener bisher ablieferten, wird alle im Verein nicht annähernd zufrieden stellen – auch wenn man dem Fahrplan von 2016/17 zum selben Zeitpunkt nur um zwei Zähler hinterher hinkt, noch immer versucht Ruhe nach außen auszustrahlen ...
Doch die Defensive der Kristall-Truppe (Ausnahme Keeper Ferdl Oswald) leistet sich teilweise erschreckende Blackouts, ist das große Sorgenkind von Coach Thomas Silberberger. Wie „Teenager“ verhielten sich Gugganig und Co. zum Quartals-Ausklang auch gegen BW Linz: Zweimal fanden die Gäste riesige Löcher vor, wurden kaum bis gar nicht attackiert.

Und vorne ist die Chancenauswertung schlichtweg eine fußballerische Katastrophe. Auch weil das letztjährige Traum-Trio nie adäquat ersetzt werden konnte: Benni Pranter war zeitweise auf sich alleine gestellt, Dino Kovacec konnte Christian Gebauer nie ersetzen, Florian Toplitsch war lange Zeit verletzt. Die Hoffnung: Das 2:2 vom Freitag, eine gefühlter Sieg nach 0:2, muss Auftrieb geben.

Befriedigend –! Klar, Karl Daxbacher hatte einen großen Umbruch, eine beachtliche Verjüngung des Kaders in Innsbruck in diesem Sommer zu bewerkstelligen. Trotzdem: Die Punkteausbeute in den ersten neun Spielen war für schwarz-grüne Ansprüche doch zu wenig. Mindestens drei fehlen am Innsbrucker Konto ...

Weil vor allem in fremden Stadien sich die Fehler-Ketten ständig wiederholten, zu viele Punkte (wie am Freitag bei Schlusslicht FAC/1:1) leichtfertig hergeschenkt wurden (nur ein Sieg). Auch für Wackers Coach ein bisschen unerklärlich: „Noch im Frühjahr war das unsere Stärke. Doch dafür haben wir nun plötzlich zu Hause fast alles gewonnen.“ Auch wenn nur gegen das „unheimliche“ Wiener Neustadt richtig überzeugend.

Auch für „Sir Karl“ ist die Abwehr die aktuelle Problem-Zone. Da ein richtiger Abwehrchef, den man sich so sehr gewünscht hatte, (noch) nicht gefunden wurde. Da einige mit sich selbst mehr zu kämpfen hatten bzw. haben als mit dem Gegner.

Doch auch die vielgelobte Offensiv-Power konnte sich noch nicht kontinuierlich frei spielen. Zlatko Dedic hat noch Anlaufschwierigkeiten (wie letzte Saison aber auch Torschützenkönig Patrik Eler), das Trio Harrer, Rakowitz und Jamnig muss öfters seine Qualität ausspielen. Einzig Daniele Gabriele konnte mit seinen sechs Scorer-Punkten die Erwartungen erfüllen. Das ist der Unterschied zu den Spitzen-Sensationen: Denn ein Salihi hat bereits acht Treffer auf dem Neustädter Konto, Tadic (5), Meusburger oder Mislov (3/alle Hartberg) immer noch mehr als jeder Schwarz-Grüne!

Die Hoffnung: Wacker hat im zweiten Quartal fünf Heimspiele! Damit könnte Daxbachers Ziel von 18 Zählern („machst du doppelt soviele Punkte wie es Spiele sind, wirst du Meister“) realistisch werden. „Wir haben keine Übermannschaft, aber wir können jeden schlagen.“
Richtig, es muss in Zukunft nur eben öfters passieren ...