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Ausgabe: 07. September 2017

Susann Frank

Von Vereinen gestützt, vom Verband enttäuscht

Innsbruck - Wer denkt, nach der Euphorie um die Frauen-Fußball-EM könnten sich die Tiroler Vereine vor Anmeldungen kaum retten, geht fehl. Wenn morgen die Tiroler Liga mit zehn Vereinen beginnt, ist keine Spielerin am Ball, die sich nach dem Erfolg der ÖFB-Damen (Halbfinale) kurzfristig angemeldet hat. Übereinstimmend berichteten die Trainer vom Unterland über Innsbruck bis ins Oberland, nach der EM keinen Zulauf verbucht zu haben. Die Vereine in der Tiroler Liga bilden oftmals Spielgemeinschaften, um den Liga-Ablauf gewährleisten zu können. Wattens schloss sich für diese Saison erstmals Tulfes/Rinn an. Die Mädls, die nicht mehr mit den Burschen spielen dürfen (ab 16), müssen somit nicht nach einem neuen Verein suchen.

Eine Verbesserung brachte die mediale Aufmerksamkeit in den Niederlanden. Frauenfußball wurde im TV-Hauptabendprogramm gezeigt. Die Akzeptanz ist gestiegen. "Es ist eine andere Einstellung da. Das war schon Werbung für den Frauen-Fußball", sagte Erl-Trainer Thomas Gleinser.

Sein Job, sagte Jürgen Flörl, seit fünf Jahren Ried/Kaltenbach-Coach, wäre zu Beginn von vielen belächelt worden. "Jetzt höre ich öfter einmal, dass das ja Fußball ist." Ein paar "Ewiggestrige" werde es laut SK-Wilten-Trainer Urban Steiner leider immer geben - obwohl durch die professionellere Ausbildung der Nachwuchsspielerinnen das Niveau in der Tiroler Liga merklich gestiegen sei. Laut Coachs hätten früher nur vier Vereine mithalten können, jetzt könne jeder jeden schlagen: auch die favorisierten Wacker-II-Damen.

Enttäuscht zeigten sich die engagierten und vor allem langjährigen Trainer vom Tiroler Fußball-Verband, vertreten von Anneliese Martin. "Vor zwei Jahren schrieb sie eine Mail, gerne einen Vertreter aus der Tiroler Liga im Verband zu haben, seither habe ich nie wieder etwas gehört", beschrieb Robert Martini eine Situation. Flürl und Gleinser stießen in dasselbe Horn.

Froh waren alle, in ihren Vereinen auf offene Türen zu stoßen. "Im Vorstand werden wir richtig ernst genommen", berichtete Haiming-Coach Bernhard Leiter. Das lässt sich auch durch Zuschauerzahlen belegen: Viele der Vereine setzen die Damen-Spiele am selben Tag wie die Partien ihrer Kampfmannschaften an. Davor oder danach. Martini: "Die Zuschauer bleiben oder kommen früher, da macht das Spielen schon mehr Spaß."