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Ausgabe: 31. August 2017

Roland Kirchler

Der "Output" zählt

Viele fußballbegeisterte Kinder (oder deren Eltern?) leben den Traum vom Fußballprofi. Das klingt leichter, als es ist. In jedem Jahrgang sind bei diversen Fußballvereinen bis zu 1100 Kinder gemeldet, ca. 300 werden genauer unter die Lupe genommen (Sichtung). Nach Sichtung, VorLAZ und LAZ (Landesverbands-Ausbildungszentrum) bleiben nur noch 25 über, diese bilden jährlich den neuen Jahrgang des U15-Teams der so genannten Akademie.

Jeffrey Egbe war so einer, und sein Traum ging in Erfüllung. Seine beiden Tore in der Sky Go Erste Liga für Wacker Innsbruck wird "Jeff" nie vergessen, genauso wie ich meine ers­ten Tore für den damaligen FC Tirol unter Ernst Happel noch vor dem geistigen Auge habe. Deshalb opfern einige Talente ihre "Jugendzeit", beschäftigen sich fast nur mit Fußball und Schule, während andere ihre Kindheit genießen. Dafür ein großes Kompliment an alle (auch Eltern) - ich weiß, dass im Fußballsport nicht immer nur die Sonne scheint.

In letzter Zeit sind unsere Akademieabgänger immer interessanter geworden. Die Zusammenarbeit mit dem Wacker Innsbruck und der WSG Wattens trägt Früchte. Leider wird dieser Umstand aber viel zu wenig von den Tiroler Fußballfans wahrgenommen. Mir ist natürlich klar, dass aufgrund der letzten mageren Fußballjahre das Image des Tiroler Fußballs angekratzt ist, aber solche Zeiten gab es auch schon früher. Ich erinnere mich an die Zeit vor meinem ersten Meis­tertitel mit dem FC Tirol 1999/2000. Kaum Zuschauer, wenig Erfolg und viele Kritiker. Ein paar Jahre später war jedes Spiel ausverkauft und wir spielten international.

Ergebnisse und Erfol­ge bestimmen unser Fuß­baller­leben, das ist auch schon in jungen Jahren so. Aber was zählt beispielsweise für unsere Akademie mehr? Ein Tabellenplatz unter den ersten fünf oder fünf Spieler, die den Schritt in den Profifußball geschafft haben. Überspitzt gesagt, wären mir jedes Jahr zwei unterschriftsreife Jungprofiverträge lieber, als ein gewonnener Titel in der ÖFB-Jugendliga.

Abschließend ein Beispiel für die Wertigkeit des Fußballs: Jogi Löw trainierte uns nach dem Abgang von Kurt Jara zum HSV die erste Woche und wir fuhren zur Admira (2:0-Sieg). Wir waren souveräner Tabellenführer, das Spiel war schlecht, die Kritiken für eine Meistermannschaft unterirdisch. Jogi kam nach dem Spiel in die Kabine und sagte: "Gratuliere Jungs, der Output zählt."