b_350_1200_16777215_00_images_201718_haxn_sta18.jpgDie einen glauben ans Christkindl, die anderen an Santa Claus. Und manche an den FAC. Die Athletiker aus Floridsdorf sind gern gesehene Gäste in den Stadien, bleiben nicht lang und lassen Geschenke da. Wie das Christkind. Oder eben Santa Claus. Nur, man muss nicht unbedingt das ganze Jahr brav gewesen sein. Schauen wir mal, ob sich die Wiener auch dieses Mal von ihrer besten Seite zeigen – oder doch den inneren Krampus entdecken. Oder Knecht Ruprecht. Es ist halt alles immer ein bisserl kompliziert.

 

Xenien

Xenien ist griechisch. Heißt Gastgeschenk. Also genau das, das die Floridsdorfer so gerne bringen. Wobei, gerne... Sagen wir regelmäßig. Es ist wohl nicht schwer zu erraten, wer das höflichste Team in der Fremde ist. Die Herren von jenseits der Donau leiden an Nostalgia, an der Sehnsucht nach dem Vertrauten, nach dem eigenem Heim. Schlicht, an Heimweh. Und sie leiden schwer darunter, Jahr für Jahr bringt sie dieser Leidensdruck an den Rand des Abstiegs. 2014/15 konnten von 18 Spielen in der Fremde nur vier gewonnen werden, lediglich Horn konnte noch weniger Auswärtspartien für sich entscheiden. Gegen eben diese gelang auch in Runde 12 der erste volle Erfolg abseits der Heimat. Ein Jahr später, als die Austrias aus Klagenfurt und Salzburg die Wiener durch ihren Ligaausstieg retteten, war man das schlechteste Team auf fremden Plätzen, drei Siege, 0,61 Punkte im Schnitt, nur elf Tore, ebenfalls nur 0,61 pro Spiel, eine wahre Katastrophensaison. Gekrönt wurde diese nur noch durch eine Heimbilanz, die an Schrecken kaum noch überbietbar war – ein Sieg, 0,33 Punkte pro Partie, 43 Gegentreffer. Wen wundert es, dass in diesem Jahr auswärts 97% mehr Zuschauer begrüßt werden konnten als im eigenen Wohnzimmer, wurde man ja auch diesmal von den Gästen nicht enttäuscht. Bis Runde 15 mussten die Blau-Weißen warten, ehe sie auswärts das erste Mal jubeln durften. Die vergangene Saison brachte kaum Besserung für die sensiblen Floridsdorfer. Zwar konnte man sich mit vier Siegen in einer allgemein schwachen Liga im extrem breiten Mittelfeld positionieren, durfte dabei aber nur einen Erfolg mehr verbuchen als der SV Horn, der abermals die wenigsten Siege feierte. Mit der Überraschungsmannschaft diesen Jahres, dem SC Wiener Neustadt, teilte man sich den letzten Platz der torungefährlichsten Mannschaft, wobei die Ausbeute aber immerhin auf 16 erhöht wurde. Und der erste Sieg? Überraschend früh, Wiener Neustadt musste in Runde 7 daran glauben. Auch in der aktuellen Saison waren es die Niederösterreicher, die als erstes Team der Liga keinen Heimerfolg gegen Floridsdorf feiern konnte, wenngleich es auch bis Runde 14 dauerte. Dieser Sieg ist der bislang einzige Punktegewinn in der Fremde für die Wiener, sieben Niederlagen und ein negatives Torverhältnis von 8:28 legen ein Problemfeld offen, das seit Jahren unübersehbar ist. Oder zeigen einfach den Erfolg der Elmayerschen Kurse zu korrektem Benehmen und Etikette, die ein gutbürgerlicher Wiener besuchen sollte, etwa heute Abend im ÖPWZ im Ersten.

A blede Gschicht...

Dr. Kurt Ostbahn wusste schon, dass manches im Leben eine blöde Geschichte ist, hatte aber auch die passende Lösung dafür: „... oba uns is wuascht!“. Mit dieser Wurstigkeit gehen auch die Burschen aus Fluridsdurf, der Heimat von Willi Resetarits, in die Partien. 4:0 gegen Linz verloren? Mit einer 5:0-Klatsche aus Lustenau heimgekehrt? 5:1 gegen Tabellennachbarn Wattens verloren? Wuascht. Jedes Spiel beginnt bei Null, und da kann man schon manch großen den Tag verderben. Ried hatte zu Hause beim 3:2 ganz schön zu kämpfen, Wiener Neustadt musste Federn lassen, auch Hartberg hat in dieser Saison schon gegen den FAC verloren, wenn auch vor deren Publikum, das auch ein 2:2 gegen Liefering bestaunen durfte. Den Floridsdorfern liegt die obere Tabellenhälfte, und zu dieser zählt auch der FC Wacker Innsbruck. Und dem ist das Tabellenschlusslicht gar nicht so genehm, wie man vermuten könnte. Im letzten Aufeinandertreffen rettete man nach einer Notbremse samt Ausschluss von Matthias Maak ein 1:1 über die Runden. Floridsdorf hatte zu diesem Zeitpunkt erst drei Zähler zu Buche stehen, ein Sieg gegen Wattens stand sieben Niederlagen gegen Nicht-Tiroler gegenüber. Aber die Floridsdorfer als Bergbewohner – der Bisamberg mit seinen stolzen 358 Metern, 180 Meter über dem FAC-Platz, ist der östlichste Ausläufer der Alpen – fühlen sich halt wohl mit Ihresgleichen. Mit diesem Remis, einer edlen Punktespende im Sinne des hl. Martin, schloss Innsbruck nahtlos an eine Tradition an, die sie mit den Wienern schicksalsvoll verbindet. 2015/16 leitete der Ex-Innsbrucker Thomas Hirschhofer, der in diesem Jahr durch seinen Treffer für Klagenfurt Wacker aus dem Cup bugsierte, mit seinem Tor nicht nur die 1:3-Niederlage der Schwarz-Grünen ein, sondern fixierte damit auch das Ende von Maurizio Jacobacci. Ein Jahr zuvor war es das 1:1 am Tivoli in Runde 11, das Floridsdorf den allerersten Punkt der Saison einbrachte und den Toten zum Leben erweckte. Innsbruck war dabei nobel zurückhaltend und zeigte, dass man auch als Gastgeber die Etikette kennt. 11 Eckbälle ließ man ebenso ungenützt wie 19 Freistöße. Die vier Schüsse aufs Tor platzierte man höflich auf den Tormann, trotz einer Passquote von 82,5%, überlegenem Ballbesitz und 59,3% gewonnenen Zweikämpfen zog man es vor, den Wienern nicht die elfte Niederlage im elften Spiel zu bescheren. Das Christkind wird’s danken.

Kekse gegen Punkte

Vielleicht hat es aber auch etwas mit der Jugend zu tun, dass Floridsdorf auswärts seine Probleme hat. Mit der Sehnsucht der jungen Buben nach ihren Schrebergärten und Arbeitersiedlungen. Oder damit, dass sie fern der elterlichen Aufsicht in Strebersdorf ihre Strebsamkeit über den Haufen werfen und das Leben genießen wollen. Kein Wunder, ist der FAC doch nach Liefering die zweitjüngste Mannschaft der Liga, im Schnitt laufen hier 22-Jährige auf das Feld. Vielleicht sollte man Ihnen die Vorzüge des Innsbrucker Nachtlebens näher bringen, den Christkindlmarkt und seinen Glühwein. Oder, ihrer Geschichte als Heimat der ersten österreichischen Dampfeisenbahn folgend, die Bogen-Meile schmackhaft machen. Vielleicht erinnern sie sich dann an ihren Knigge-Kurs und besinnen sich der schönen Tradition des Gastgeschenks. Denn Innsbruck hat nichts mehr zu verschenken.

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Stefan Weis Stefan Weis

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