b_350_1200_16777215_00_images_201718_haxn_sta4.jpg„Af der Umbrückleralm ischt a Kasermandl, dös hockt ganz verstohln hintern Eisnpfanndl...“. Manchmal hört man es noch, das alte Volkslied über die kauzigen Figuren, die oben, über Innsbruck hausen. Der kleine Almgeist etwa, manchmal gutmütig, manchmal boshaft. Schaut man sich die wackeren Ballbuben an, man glaubt, das Kasermandl hätte seine Finger im Spiel, denn mit rechten Dingen kann so eine Leistung nicht zugehen. Und dann kommen noch die Herren der Käsknöpfle auf Besuch, die Austria aus Lustenau. Gut nur, dass deren Leistung grad auch nach Räß riecht und Sura Chäs. Nur, daraus zaubert man ganz zauberhafte Gerichte...

‘s Gsicht voller Ruaß

Wer dem Kasermandl zu nah kam, der konnte mit einem dreckigen Gesicht rechnen. So dreckig, dass es sich nicht mehr abwaschen ließ, nicht durch den stärksten Regen. Selbst das Erbarmen des Hl. Petrus, der die Schleusen über Hartberg öffnete und die wackeren Fans von ihren Leiden erlöste, selbst das hätte nichts genützt. Nur eine Schüssel mit „an Weichbrunnen“, also Weihwasser, könnte helfen. Ob das den Schwarz-Grünen etwas gebracht hätte, bei der Leistung? Wie ein verkehrtes Spiegelbild der Partie gegen Kapfenberg, mit nur einer Gemeinsamkeit – Tor konnte erneut keines erzielt werden. Nach 225 Minuten Liga nur ein einziger Treffer, und selbst gegen den Regionalligisten Steyr reichten 90 Minuten nicht zu mehr als einem gebauschten Netz. Das statistische Zerrbild aus Hartberg zeigt aber noch Schlimmeres: 38,8% Ballbesitz gegen den Aufsteiger, kein einziger Schuss aufs Tor (bei fünf der Steirer), 15,7% weniger angekommene Pässe, 56,9% der Zweikämpfe verloren. Dass ein Liga-Neuling mit seiner überbordenden Euphorie kratzt und beißt und kämpft, ja, auch bellt, das ist nicht unbekannt. Aber Kampf, das war auch einmal eine Tugend des FC Wacker Innsbruck. Manchmal, da nannte man sie auch Holzhacker, und weißes Ballett nur mit Augenzwinkern, wirkten sie doch eher wie eine testosteronerfüllte Mitternachtseinlage von Schwanensee. 12 Fouls haben sie zwar gemacht, die Innsbrucker, und damit doppelt so viel wie der letztjährige Regionalligist, sogar eine Rote kassierte man. Aber es war nicht Kampf, es war wohl eher Hilflosigkeit. Denn trotz zweier Gegentore brachten die 45 Minuten im Joglland 15 klärende Aktionen, 9 abgefangene Bälle, 15 Luftduelle, eine blau-weiße Offensivwelle, dem die Innsbrucker Defensive nichts entgegenzusetzen hatte. Und auch nicht entlastet wurde durch Angriffe. Vier Schüsse in Richtung des Tores bei 13 der Steirer, 44 Pässe in die/der gegnerischen Hälfte bei 90 des Aufsteigers, 38 ins oder im gegnerischen Drittel zu 76 von Hartberg, dort eine Passgenauigkeit von 47,4% bei 59,2% des Gegners – man könnte diese Liste noch ewig fortsetzen. Und Innsbruck hätte auch noch ewig spielen können, ohne auch nur einmal gefährlich zu werden. Gut nur, dass ewig 45 Minuten bedeutete und ein klärendes Sommergewitter dem Wacker die Leviten las. Wie wohl auch Daxbacher auf der Heimfahrt.

Dass d’an Hexnschuss kriagscht

Aber es gibt nicht nur Kasermandl, sondern auch Kaserweibln. Und die können einem einen ordentlichen Hexenschuss verpassen, bevor es auch nur ein bisschen lustig wird. So einen Lumbago, den verspürt wohl auch Lustenau. Drei Spiele, sieben Tore erzielt, und bereits zweimal verloren – die neue Austria hat noch gewisse Startschwierigkeiten. Die haben sich bereits im Cup gezeigt, als man bei SV Stripfing/Weiden vor 400 Zuschauern ein müdes 0:1 über die Runden brachte und dazu einen Lucky Punch von Christopher Drazan benötigte. Jenes Stripfing, das... nein, keine Ahnung, was ich zu Stripfing sagen soll, ich weiß nicht einmal, wo das liegt. Wikipedia sagt, Stripfing hat 332 Einwohner und ist Teil der Gemeinde Weikendorf. Tja. Jakob Prandtauer, der Landecker, errichtete dort, in der Nähe von Stift Melk, die Kirche, mehr gibt es nicht zu sagen. Nach einem souveränen 5:1 auswärts beim FAC schienen alle Sorgen, die die Integration von 19 Spielern und der Abgang von Stützen wie Christopher Knett zu Wacker und vor allem Julian Wießmeier, Peter Haring, Ilkay Dumus und Pius Grabher zu Ried aufkommen ließen, verflogen zu sein. Vier Deutsche und vier Brasilianer sollten stramme Tugenden und spielerische Freude bringen, ligaerfahrene Spieler wie Christoph Kobleder, der vergangenes Jahr noch in Schwarz-Grün spielte, Ruhe in der Hintermannschaft, Bundesliga-Kicker wie Martin Grasegger (St. Pölten) oder Francesco Lovric (Mattersburg) Erfahrung und Stärke. Pustekuchen. Gegen Aufstiegskonkurrenten Ried setzte es daheim ein 0:2, 60% gewonnene Zweikämpfe waren der einzig positive Wert des Spieles, in dem man keinen einzigen Schuss aufs Tor brachte. Den nächsten Hexenschuss holte man sich gegen die Neutstädter von Roman Mählich, die mit blütenweißer Weste von der Tabellenspitze lachen. Erneut musste man vor eigenem Publikum eine Niederlage hinnehmen, und das in einem Spiel, in dem der Ball nur in Niederösterreichischer Hand bzw. an deren Fuß war, wenn es galt, ein Tor zu schießen. Drei Tore erhielt man bei 71,1% Ballbesitz, 82,5% Passgenauigkeit, etwas mehr gewonnenen Zweikämpfen, 318 mehr gespielten Pässen, also mehr als doppelt so viele. Alles nur statistisches Blendwerk, wenn der Ball nur in den eigenen, ideenlosen Reihen rotiert, und das nicht einmal am gegnerischen Strafraum sondern hinter der Mittellinie gegen früh pressende Niederösterreicher. Da fährt es einen ganz schön in den Rücken.

Bald an Himml, bald die Höll

Tja, und diese beiden Vereine, selbsternannte Aufstiegsaspiranten, treffen nun aufeinander. Und müssen hoffen, bald richtig zu reüssieren, um nicht ganz früh bereits in einer veritablen Krise zu stecken. Das Kasermandl lacht sich eines, währenddessen, denn ob Kasspatzln oder Käsknöpfle, ob Graukas, so gut wie von der Möslalm, oder Käsdönnala, wie es sie nur bei der Lustenauer Kilbi, dem Kirchtag gibt, ist ihm einerlei. Er wird seine Spielchen spielen, manchmal gut, manchmal bös, auf der Umbrückler Alm und auch im Tivoli. „Voar alli beasn Gaischter und beasn Weiber und sölln Zuig, dös ummerlafft, verschone uns in Ewigkait!“. Vielleicht nützt’s ja was.

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Stefan Weis Stefan Weis

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