Die Grazer Lehre/LeereSamstag, der 15.09.2012. Es ist 20:30 und der FC Wacker Innsbruck hat mit 3:0 gegen Sturm Graz verloren. Der geneigte Fan unseres FC Wacker Innsbruck möchte nun sagen, „so wie auch die letzten Spiele“. Ja, da kann man nicht viel entgegnen. Doch heute ist es ein Unterschied. Nicht in der Anzahl der kassierten Tore, im Gegensatz zum Salzburg Spiel, waren es derer „nur“ 3, sondern in viel schlimmerer Art und Weise. Mich kotzt es an und ich mag einfach nicht mehr.
Mich kotzt es dermaßen an, dass ich mir ernsthaft überlege, ob ich noch ins Forum, in die Zeitungen schauen und den Fernseher einschalten solle. Nicht, weil ich dagegen bin, dass die Medien über unseren FC Wacker Innsbruck berichten. Sondern, weil man einfach nur Negatives präsentiert bekommt. Leute mit einem etwas „schwarz- grünen“ Sarkasmus würden zum vergangenen Spiel sagen: „ War eh gut, nur mehr 3 Tore kassiert. Im nächsten Spiel kassieren wir nur mehr zwei, dann nur mehr eins, dann gar keins und dann fangen wir an zu gewinnen.“ Folgt man dieser Logik, dann gewinnen wir unser nächstes Spiel gegen die SV Ried, Mitte Oktober. Denn bekanntlich gibt es zwischenzeitlich moderneren Fußball, die österreichische Nationalmannschaft spielt zweimal gegen Kasachstan, im Fernsehen zu bestaunen. Paradoxerweise auf zwei verschiedenen Fernsehkanälen, denn die Rechte für die Auswärtsspiele liegen nicht mehr beim ORF.



Motivations- und Emoionskrise

Aber zurück zu meinem eigentlichen Thema, meine Motivationskrise und Emotionskrise. Im Rückblick hat sich diese Krise angekündigt, so wie sich vielleicht in gewissen Bereichen die sportliche Krise angekündigt hat. Schon Mitte Mai beschlich einem das komische Gefühl, sich irgendwie nicht mehr so richtig für das samstägliche Spiel motivieren zu können. Damals redete man sich noch ein, dass das wahrscheinlich mit der sportlichen Unattraktivität zu tun hatte. Bekanntlich schwamm man im Niemandsland herum und die letzten drei Spiele wurden irgendwie heruntergespielt. Darunter das Highlight, als man gegen Mattersburg mit 6:3 verlor und auf der Tribüne „Europapokal“ und „Wir haben keine Gegner mehr, schickt uns Barcelona her“ Gesänge aufkamen. Trotzdem ging man das letzte Heimspiel gegen Sturm Graz und machte die Reise nach Wien zu Rapid mit.

Den Start in die neue Saison verpasste ich aufgrund meines Urlaubes in Korsika. Die Recherche, wie es meinem Lieblingsverein im ersten Spiel der Saison ergangen ist, hätte ich mir wohl besser erspart. Auch das zweite Spiel verpasste ich und so stand das Auswärtsspiel in Ried an. War man in den letzten beiden Saisonen zumindest beim ersten Spiel in Ried immer mit von der Partie, so konnte sich keiner wirklich für die Busfahrt motivieren und man blieb daheim. Da schon klingelten irgendwie die Alarmglocken, doch wischte man dies trocken beiseite. Man war doch erst vor kurzem aus dem Urlaub zurück und bräuchte noch ein bisschen sich zu akklimatisieren. Dann das Spiel gegen Mattersburg und man war frohen Mutes, das Spiel zu gewinnen. Dies tat man und so wurde der Sieg ausgelassen gefeiert.

Beim nächsten Spiel erfolgte die große Ernüchterung. Nicht nur die Führungstreffer wurden schaumgebremst gefeiert, sondern die nächsten Spiele wurden ohne große Wutausbrüche hingenommen. Wer in meiner näheren Umgebung steht, weiß, dass dies ein durchaus erschreckendes Zeichen ist. Gab es doch Zeiten, in denen ich nahezu 30 Minuten des Spieles auf den Stangen stand, meine Geldtasche in der Hand und dem Schiedsrichter zuschrie: „ Schiri, dein Geld ist hier!“ oder mich über sinnlose Fouls und Gegentreffer ärgerte und meinem Ärger auch freien Lauf ließ. Die Länderspielpause war da und man nahm sie dankend an. Man konnte, wie die Spieler einmal durchatmen und so freien Kopf bekommen. So ging es vergangenen Samstag ins Lokal, wo das Spiel übertragen wurde. Der freie Kopf hielt, leider Gottes, nur bis zum 1:0. Danach war es, so wie die vergangenen Spiele der Saison - man fühlte sich einfach leer.

Veränderung muss her

 Eine Veränderung wird auch bei uns nötig sein, um frischen Wind in den Verein zu bringen, die Zuschauer wieder zu motivieren und zu „emotionalisieren“. Denn zurzeit überlege sogar ich mir, ob ich mir das Spiel am Samstag wirklich anschauen soll. Denn im Endeffekt werde ich euphorisiert, von einem Sieg der beiden Damenmannschaften, in ein graues Stadion gehen und dort eine Mannschaft sehen, die sichtlich gelähmt ist. Dies schmerzt mich so ungemein, denn ich bin über die Jahre hinweg immer mit der Leistung zufrieden gewesen und bin, um in die Emotionen-Kiste zu greifen, immer hinter den Verein gestanden. Die zwei Jahre in der Ersten Liga habe ich, als Zwischenstation gesehen und den Aufstieg emotional miterlebt. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als man in Pasching gewann, als man in Salzburg mit 3:2 die Hoffnungen der Dosen auf den Meistertitel ein Stück mehr zerstörte und man gegen Rapid 3:3 remisierte oder die Austria im eigenen Stadion mit 3:0 besiegte. Doch sie sind, wie durch einen grauen Schleier sichtbar und haben nicht mehr diese Strahlkraft, wie sie es noch vor einigen Tagen, Wochen, Monaten hatten. Vielleicht hat man schon zu viel von diesen Erfolgen gezehrt, so, dass sie einfach ausgepowert sind und es Zeit für neue positive Ereignisse ist, die für eine lange Zeit unsere Erinnerungen bestimmen. Die die Strahlkraft haben und den gesamten Verein aus einer Lethargie entreißen, damit man wieder freudestrahlend in das Stadion marschiert und ja kein Spiel verpassen möchte.

Daher ist frischer Wind am Tivoli dringendst angesagt. Nicht nur, um einen Abstieg im 100sten Jahr FC Wacker Innsbruck zu vermeiden. Auf die Schnelle fällt mir kein Verein ein, der es geschafft hat, im Jahr des 100sten Geburtstages in die zweite Liga abgestiegen zu sein. Vermutlich sind die Recherche –Qualitäten von mir einem kritischen Blick zu überverantworten. Sondern um Spieler, Fans und vielleicht auch Vereinsfunktionäre neu zu motivieren und das oft strapazierte „und jetzt gemeinsam gegen den Abstieg“ zu propagieren. Es nicht nur mit leeren Worthülsen aufleben zu lassen, sondern auch zu leben. Ich würde es mir wünschen, wenn meine naiven, wer will, kann es so sehen, Wünsche in Erfüllung gehen.

 

Hinweis / Autor

Dieser Text stellt geistiges Eigentum des tivoli12 magazins dar und ist somit urheberrechtlich geschützt. Um den Text, oder Teile davon nutzen zu können, setzen Sie sich bitte mit dem tivoli12 magazin in Verbindung.

Alexander Riedling Alexander Riedling

Artikel bisher gesamt: 101

Kommentare geben die persönliche Meinung des Autors wieder und müssen nicht mit der Redaktionsmeinung übereinstimmen.